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FCI-Standard Nr 146/02.04.1997 / D
RHODESIAN RIDGEBACK
Übersetzung : Jochen H. Eberhardt, Dr. J.-H. Paschoud
und Frau R. Binder
Ursprung: Südliches Afrika Standardausgabe durch die
südafrikanische Kynologische Union und durch den Kennel Club
von Zimbabwe
Datum der Publikation des gültigen Originalstandards:
10.12.1996
VERWENDUNG: Vielenorts auf der Welt wird der
Rhodesian Ridgeback noch als Jagdhund verwendet, er ist aber
auch als Wachhund und als Familienhund sehr geschätzt.
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 6, Laufhunde,
Schweisshunde und verwandte Rassen Sektion 3 Verwandte
Rassen Ohne Arbeitsprüfung
KURZER GESCHICHTLICHER
ABRISS: Der Rhodesian Ridgeback ist heute die einzige
im südlichen Afrika eingeborene Hunderasse. Die Vorfahren
dieses Hundes stammen aus der südafrikanischen Kap-Kolonie,
wo sie mit den Hunden der ersten Pioniere und mit den
halbdomestizierten Ridgeback-Jagdhunden der Hottentotten
gekreuzt wurden. Diese Ridgeback- oder Löwenhunde jagten
meistens in kleinen Gruppen zu zweit oder zu dritt; ihre
ursprüngliche Aufgabe bestand darin, das Wild, ganz
besonders den Löwen, zu verfolgen und es mit grosser
Wendigkeit bis zum Eintreffen des Jägers zu umstellen. Der
erste Standart wurde in Ahnlehnung an den Standard des
Dalmatiners im Jahre 1922 durch F.R. Barner in Bulamayo,
Rhodesien, verfasst. Er wurde von der Südafrikanischen
Kynologischen Union im Jahre 1926 genehmigt.
ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD: Der Rhodesian Ridgeback
ist ein gut ausgewogener, kräftiger, muskulöser, flinker und
aktiver Hund; er ist harmonisch in seiner Erscheinung und
kann bei beträchtlicher Geschwindigkeit sehr ausdauernd
sein. Es werden hauptsächlich Behendigkeit, Eleganz und
gesunde Konstitution ohne Anzeichen von Schwere gewünscht.
Einzigartig bei dieser Rasse ist der Kamm auf dem Rücken (ridge),
dessen Haare dem übrigen Körperhaar entgegengesetzt
gerichtet wachsen. Dieser "ridge" ist das wichtigste
Erkennungsmerkmal der Rasse. Der "ridge" muss sauber
abgegrenzt, symmetrisch und gegen die Hüfte spitz zulaufend
sein. Er beginnt unmittelbar hinter den Schultern und setzt
sich bis zu den Hüfthöckern fort; er weist nicht mehr als
zwei gleichförmige Kronen (crowns) auf, die einander
gegenüber angeordnet sind. Die hinteren Ränder der "crowns"
dürfen ein Drittel der Gesamtlänge des "ridge" nicht
überschreiten. Als Mittelwert für die Breite des "ridge" ist
5 cm ein guter Durchschnitt.
VERHALTEN UND CHARAKTER (WESEN): Erhaben,
intelligent, Fremden gegenüber zurückhaltend, jedoch ohne
Anzeichen von Aggressivität oder Scheue.
KOPF
OBERKOPF:
Schädel: von angemessener Länge (die Breite des Schädels
zwischen den Behängen entspricht dem Abstand zwischen
Hinterhauptstachel und Stop sowie demjenigen zwischen Stop
und Nasenspitze). Der Schädel ist flach und zwischen den
Behängen breit. In friedlicher Stimmung ist der Kopf frei
von Runzeln.
Stop: Angemessen gut ausgeprägt, nicht in Form einer geraden
Linie zwischen Nasenschwamm und Hinterhauptstachel.
GESICHTSSCHÄDEL: Nasenschwamm: Schwarz oder braun.
Bei schwarzer Nase dunkle, bei brauner Nase bernsteinfarbene
Augen.
Fang: Lang, tief und kräftig.
Lippen: Trocken und dicht am Kiefer anliegend.
Kiefer/Gebiss: Kräftiger Kiefer mit einem perfekten
und vollständigen Scherengebiss, wobei die obere
Schneidzahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift
und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen. Zähne,
insbesondere die Fangzähne, gut ausgebildet.
Backen: Trocken. Augen: Mässig weit voneinander
angeordnet, rund, klar und strahlend, mit Intelligentem
Ausdruck. Die Augenfarbe ist zur Farbe des Haarkleides
passend.
Behang: Ziemlich hoch angesetzt, von mittlerer Grösse,
ziemlich breit am Ansatz, allmählich bis zu einer
abgerundeten Spitze hin schmaler werdend. Dicht am Kopf
anliegend getragen.
HALS: Ziemlich lang, stark und ohne lose Kehlhaut.
KÖRPER:
Rücken: Kraftvoll Lenden: Kräftig, muskulös, leicht
gewölbt. Brust: Brustkorb nicht zu breit, aber sehr tief und
geräumig. Er reicht bis zu den Ellenbogen.
Vorbrust: Von der Seite gesehen sichtbar.
Rippen: Mässig gewölbt, keinesfalls tonnenförmig.
RUTE: Am Ansatz stark, sich zur Spitze hin verjüngend,
niemals plump.
Weder zu hoch noch zu tief angesetzt. Von mässiger Länge.
Sie wird leicht aufwärts gebogen getragen. Niemals
eingerollt.
GLIEDMASSEN
VORDERHAND: Absolut gerade, starke, mit kräftigen
Knochen ausgestattete Vorderläufe. Ellenbogen dicht am
Körper anliegend. Von der Seite gesehen sind die Vorderläufe
breiter als von vorne betrachtet.
Vordermittelfuss stark und leicht schräg gestellt.
Schultern: Schräg, trocken und gut bemuskelt,
Schnelligkeit andeutend.
Pfoten: Kompakt und rund, mit gut gewölbten Zehen;
Ballen widerstandsfähig und Elastisch; die Pfoten sind durch
Haarwuchs zwischen den Zehen und den Ballen Geschützt.
HINTERHAND: Trockene, klar abgezeichnete Muskulatur;
Kniegelenk gut gewinkelt; Sprunggelenke kräftig und tief
angesetzt.
GANGART / BEWEGUNG: Parallel, frei und aktiv.
HAARKLEID
HAAR: Kurz und dicht, glatt und glänzend im Aussehen,
weder wollig noch seidig.
FARBE: Hellweizenfarben bis rotweizenfarben. Wenig
Weiss an der Brust und an den Zehen ist statthaft, jedoch
sind viele weisse Haare an Brust, Bauch und Zehen oder
oberhalb der Zehen unerwünscht. Dunkler Fang und Behang
erlaubt. Allzu viele über das ganze Haarkleid verstreute
schwarze Haare sind äusserst unerwünscht.
GRÖSSE UND GEWICHT:
Erwünschte Widerristhöhe für Rüden 63 bis 69 cm (25 bis 27
inches)
für Hündinnen 61 bis 66 cm (24 bis 26 inches)
Erwünschtes Gewicht
für Rüden 36,5 kg (80 lbs) für Hündinnen 32 kg (70 lbs)
FEHLER: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss
als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem
Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
N.B. Rüden müssen zwei offensichtlich normal
entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im
Hodensack befinden.
Ursprung und Geschichte des Rhodesian Ridgebacks
AlIgemeines
Der Rhodesian Ridgeback oder südatrikanischer Lôwenhund ist
- abgesehen yom Basenji - die einzige aus dam südlichen
Afrika stammende Hunderasse. Bereits der Name weist auf die
zwei wichtigsten Eigenheiten hin: einerseits auf Rhodesien
(das heutige Zimbabwe) als Hauptzuchtgebiet der Rasse und
andererseits auf das hervorstechendste Rassenmerkmal, den "Ridge".
Der englische Ausdruck Ridgeback bedeutet auf Deutsch etwa
Rückenkamm. Es handelt sich hierbei um eine Haarleiste, die
von der Rute bis zum Nacken oberhalb der Wirbelsäule in
entgegengesetzter Richtung zur allgemeinen Haarrichtung
verlauft.
Der Rhodesian Ridgeback zeichnet sich aus durch seine
Schnelligkeit, seine grosse Beweglichkeit und seine
Unerschrockenheit: Eigenschaften, die für die Löwenjagd
unentbehrlich waren. Die Aufgabe der Hunde bei der Jagd war
es, die Löwen aufzuspüren und zu stellen sowie durch
ständiges Verbellen und Umkreisen am Ausbrechen zu
verhindern, damit der Jäger den Löwen mit seinem Speer oder
der Schusswaffe erlegen konnte.
Leider sind die Löwen auch in Südafrika und Zimbabwe sehr
selten geworden, so dass diese Hunde heute für andere Zwecke
eingesetzt werden müssen. So trifft man ihn dort zwar vor
allem als Jagdhund, aber auch als Wachhund der weissen
Farmer und in einzelnen Fällen auch als Polizei-, Militär-
und sogar alis Blindenhund an.
Doch vor allem auch hat sich der Rhodesian Ridgeback als ein
angenehmer Familienhund bewährt, der ein idealer Partner für
Eltern und Kinder ist. Seine hervorragenden Nasenleistungen
prädestinieren seinen Einsatz im jagdlichen Bereich als
Schweisshund für die Suche nach dem Schuss. lm Sportbereich
ist der Rhodesian Ridgeback am besten für folgende Aufgaben
geeignet: Fährtenhund, Sanitätshund, Begleithund und Agility.
Gemäss den Bestimmungen der FCI ist die Rasse in der Gruppe
6 Laufhunde, Schweisshunde und verwandte Rassen, Sektion 3
Verwandte Rassen, ohne Arbeitsprüfung eingeteilt. Als
Ursprungsland gilt das Südliche Afrika. Der Standard wurde
erstellt von der Kennel Union von Südafrika und dem Zimbabwe
Kennel Club. Der heute gültige Standard datiert yom
10.12.1996 und ist bei der FCI unter der FCI - Standard Nr.
146 registriert. Die gültigen Übersetzungen wurden am
02.04.1997 (Französisch) und am 07.08.1998 (Deutsch)
erstellt.
Der Rhodesian Ridgeback hatï sich auch in der Schweiz im
jagdlichen Gebrauch bewährt. Wegen seiner herausragenden
Eigenschaften eignet er sich besonders für die Arbeit nach
dem Schuss, sei es die Nachsuche auf Schweiss oder das
Apportieren. Als kurzhaariger Hund ist er jedoch für die
Wasserarbeit eher wenig geeignet.
Ursprung und Vorgeschichte
Die Geschichte des Rhodesian Ridgeback ist eng verbunden mit
der Geschichte der menschlichen Besiedlung im südlichen
Afrika. Vor 12000 - 15000 Jahren betraten als erste die
Buschmänner das südliche Afrika.
Sie waren steinzeitliche Jäger und Sammler, die noch keine
Haustiere besassen. Die Buschmänner blieben aber bis in die
Neuzeit hinein auf dieser Entwicklungsstufe stehen,
übernahmen jedoch später von den nachher eingewanderten
Hottentotten Hunde als einziges Haustier.
Mit der Ankunft der Hottentotten beginnt die eigentliche
Ursprungsgeschichte des Rhodesian Ridgebacks. Die
Hottentotten lebten gleichzeitig als Jäger und Sammler
einerseits und als Wanderhirten andererseits. Neben Schafen
und Zeburindern waren sie auch von Hunden auf ihren
Wanderungen begleitet. Diese Hottentotten-Hunde sind nach
der Überlieferung die Stammeltern der modernen Rhodesian
Ridgebackrasse. Als die ersten Europäer das Kapland im 17.
Jahrhundert besiedelten, übernahmen sie dort von den
Hottentotten auch deren Hunde. Gemäss den schriftlichen
Schilderungen aus der damaligen Zeit besassen viele dieser
Hottentotten-Hunde als besonderes Merkmal den Rückenkamm.
Der berühmte Missionar und Forscher David Livingstone
bildete bereits in seinem 1857 erschienenen Buch eine
Jagdgesellschaft der Hottentotten ab. lm Vordergrund dieses
Bildes ist ein Hund dargestellt, der einen schönen Ridge
aufweist.
Ausser dem Rhodesian Ridgeback in Südafrika gibt es nur noch
aus der Insel Phu Quoc im Golf von Thailand stammende Hunde,
die einen Ridge aufweisen. Diese Hunde sind seit 1990 unter
der Bezeichnung Thai Ridgeback Dog von der FCI ais eigene
Rasse anerkannt.
Es wird nie schlüssig bewiesen werden können, ob der
Ursprungsort des Ridge, dieses besonderen Merkmals, in
Südafrika oder in Thailand liegt. Auch gibt es Theorien, die
eine gleichlaufende Entwicklung unabhängig von einander an
zwei verschiedenen Orten ins Auge fassen.
Bereits die arabischen Sklavenhändler fuhren von Afrika nach
Osten, und später benutzten die portugiesischen und
niederländischen Seefahrer die gleiche Route. Die Insel Phu
Quoc besass einen hervorragenden Hafen, um frisches Wasser
und Lebensmittel einzuladen. Es ist gut möglich, dass diese
Seeleute Hottentottenhunde aus Südafrika mitgebracht haben.
Weil diese Insel aber ziemlich abgelegen ist, konnten die
Hunde sich dort über Jahrhunderte hinweg unverändert
erhalten, so dass dort unter Umständen heute noch fast
ursprüngliche Exemplare des Original Hottentotten Jagdhundes
angetroffen werden, der in Afrika selbst in dieser Form
nicht mehr vorhanden ist.
Eine neue Rasse entsteht
Die Hottentottenhunde wurden von den europäischen Siedlern
in Südafrika mit englischen Bloodhounds und Mastiffs
gekreuzt. Diese Hunde dann wurden von den Weissen als
Wachhunde und Jagdhunde für die Grosswildjagd gebraucht.
Insbesondere aber setzte man diese Hunde auch für die
Löwenjagd ein.
Von da her stammt auch der zweite Name der Rasse: der
südafrikanische Löwenhund.
lm Jahre 1875 brachte ein Missionar, Reverend Charles Helm,
zwei dieser Hunde mit Rückenkamm vom Kapland nach Rhodesien.
Der berühmte Grosswildjäger Cornelius van Rooyen lieh sich
diese Hunde zur Löwenjagd aus. Er war von ihren natürlichen
Jagdanlagen derart begeistert, dass er sich einige dieser
Hunde besorgte. Daraufhin wurde diese Rasse in Rhodesien
intensiv gezüchtet; deshalb trägt sie auch den Namen dieses
Landes.
Anfangs des letzten Jahrhunderts waren die "Löwenhunde"
inzwischen bereits so verbreitet, dass Francis Richard
Barnes, Sekretär des Salisbury Kennel Club, im Jahre 1902
zusammen mit 25 - 30 Züchtern und Besitzern dieser Rasse den
"Lion Dog Club" gründete. Dieser Verein war der Vorläufer
des "Rhodesian Ridgeback Club", des Parent Club der Rasse.
Francis Richard Barnes darf deshalb mit Fug und Recht als
der eigentliche Begründer dieser Rasse angesehen werden.
Mit der Unterstützung von Mr. C.H. Edmonds und Mr. B. W.
Durham stellte F.R. Barnes im Jahre 1922 den Rassestandard
auf, wobei er den Dalmatiner-Standard zu Hilfe nahm. Der
Name wurde nun offiziell als Rhodesian Ridgeback festgelegt,
und unter dieser Bezeichnung wurde die Rasse dann 1924 durch
die South African Kennel Union anerkannt. Inzwischen
erfolgten einige Änderungen dieses Standards. Die heute
gültige Fassung datiert vom 10.12.1996 und ist bei der FCI
unter der FC Standard Nr. 146 registriert. |